„Lebensquartier“ am Schützenweg wird zum Musterprojekt für Stadtentwicklung und Klimaschutz

Linden Projekt und Fridays for Future zeigen am alten Armenhaus, dass zeitgemäße Stadtentwicklung und Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen.

Das Oldenburger Unternehmen Linden Projekt GmbH stellt die Ergebnisse einer Studie zum alten Armenhaus am Schützenweg vor. Im Ergebnis soll das historische Gebäude nun erhalten bleiben. Für die Klimaschutzziele der Stadt, aber auch für viele Menschen im Stadtteil Haarentor ist das eine gute Nachricht. „Die übrige Bausubstanz aus den 1960er und 70e Jahren ist nach mehreren Umbauten und Sanierungen am Ende ihres Lebenszyklus angekommen, ein Abriss dieser Baukörper ist unumgänglich“ berichtet Thorsten Böke als technischer Geschäftsführer.

Im Februar noch wollte Linden Projekt eigentlich die finale Planung für das neue Lebensquartier Haarentor präsentieren und auf dieser Grundlage dann das weitere Verfahren für die Aufstellung des Bebauungsplans vorantreiben. Das Konzept sah den Abriss des Armenhauses vor. Auf Initiative von Viviane Michaelis von der Oldenburger Gruppe von Fridays for Future entstand ein Dialog zwischen den Aktivisten und dem Unternehmen. „Wir hatten den Fokus auf einen Neubau mit einem nachhaltigen Energiekonzept gelegt und gingen zum damaligen Zeitpunkt davon aus, dass der Aufwand und der erreichbare Effekt einer energetischen Sanierung nicht in der Lage sein würde, mit einem hocheffizienten Neubau mitzuhalten. Auf die Studie haben wir uns eingelassen, weil wir im Laufe der Gespräche bei den „Fridays“ nicht nur eine große Ernsthaftigkeit, sondern auch viel Kompetenz festgestellt haben. Als wir ahnten, dass wir mit unserer Einschätzung möglicherweise falsch lagen, war die Entscheidung für eine unabhängige Studie schnell getroffen“, erläutert Peter Forch für das Unternehmen.

Im Einvernehmen mit Fridays for Future wurde das Hamburger Fachbüro agradBlue mit der Erstellung der vergleichenden Studie beauftragt. Bevor die Studie beginnen konnte, war laut Böke allerdings einiges an Grundlagenarbeit erforderlich: „Baumassen, Rauminhalte und Energieverbräuche mussten ermittelt, Schadstoffgutachten ausgewertet, Baukonstruktion inklusive Mauerwerk, Keller, Hohlschicht und Dach genau untersucht werden. Schließlich wollen wir es genau wissen“.

Inzwischen liegt die Abschlusspräsentation vor. Das Ergebnis hat es in sich und es bestätigt eine zentrale Position der Klimaschutzbewegung: der Abriss der Altbausubstanz ist unter Klimaschutzgesichtspunkten viel kritischer zu bewerten als angenommen. Grund dafür ist die sogenannte „graue Energie“, die bei der Herstellung eines Gebäudes eingesetzt wird. Sie macht den Löwenanteil der CO2-Bilanz aus. Thorsten Böke erläutert: „Im Fall des Neubaus, der das Armenhaus hätte ersetzen sollen, wären dies ca. 479 kg CO2 je m² Nutzfläche gewesen. Im Vergleich dazu ist die graue Energie, die für eine umfassende Sanierung des Altbaus eingesetzt werden muss, mit nur 77 kg CO2 je m² Nutzfläche sehr niedrig“. Böke betont daneben die große Bedeutung des Energiekonzepts: „Beim CO2-Fußabdruck eines Gebäudes sind neben der grauen Energie im Bau die Energiequellen im Betrieb entscheidend: Photovoltaikanlagen, der Betrieb von Wärmepumpen mit Ökostrom und gegebenenfalls der Einsatz von Holzpellets sind nach der Untersuchung geeignete Lösungen, um das 1,5° Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens näherungsweise zu erreichen. Alle anderen Konzepte verfehlen dieses Ziel deutlich“.

Für Linden Projekt war und ist die Arbeit am Lebensquartier ein Lernprozess. „Nicht zuletzt auf den hier gesammelten Erfahrungen basiert unsere Entscheidung, Nachhaltigkeit künftig nicht nur zu einem Aspekt sondern zum Grundpfeiler unserer Projekte zu machen“, gibt Forch bekannt. Die Arbeiten an einem angepassten, städtebaulichen Konzept laufen auf Hochtouren, die neue Planung solle noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

 

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